Dienstag, 1. Mai 2007

zu Grossmutters Zeiten

Achtsamkeit ist für mich ein Wert, den ich schon früh in meiner Familie mitbekommen habe. Meine Grossmutter war für mich immer eine Person, die alles ordentlich, sauber und schön gemacht hat. Sie hat in einer Zeit gelebt, in der Achtsamkeit noch einen viel höheren Stellenwert hatte. Dies war bedingt durch die Lebensumstände. Sie hat die Weltwirtschaftskrise und den zweiten Weltkrieg miterlebt. Damals war es wichtig Esswaren gut zu verwenden und haltbar zu machen, sowie mit Kleidung und Gebrauchsgegenständen vorsichtig umzugehen. Man konnte es sich nicht leisten, für jedes Kind neue Kleidung zu kaufen oder mehr als ein Sonntagskleid zu haben. Alles wurde geflickt und von den jüngeren Geschwistern nachgetragen. Dieses Verhalten steht im krassen Gegensatz zur heutigen Gesellschaft. Ich beispielsweise trage kaum eine Hose länger als drei Jahre und das nicht nur auf Grund der Mode. Meist sind die Kleidungsstücke dann auch nicht mehr schön oder sind beschädigt. Die Modehäuser sind nicht daran interessiert langfristige Mode zu produzieren. Die Qualität ist niedrig, wie auch der Preis! Diese Entwicklung ist sehr bedenklich, da sie doch unser Denken und das unserer Kinder prägt. Ich zumindest habe es noch erlebt, dass Kleidungsstücke geflickt werden, man Schuhe regelmässig pflegen muss und das Geschenkpapier an Weihnachten gesammelt und wieder verwendet wurde. Dieses Verhalten hatte für mich Vorbildwirkung.Ich denke, dass Achtsamkeit etwas ist, das man früh lernen muss. Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr. Das ist zugegebener Weise eine sehr pessimistische Sichtweise, doch wurde mir diese im Kindergarten bzw. in der Unterstufe immer wieder bestätigt. Wenn Kinder zu hause nicht gelernt haben achtsam mit Gegenständen, Menschen, Tieren und der Natur umzugehen, ist dies schwer nachzuholen. In den vorschulischen Einrichtungen und der Primarschule kann dies noch möglich sein. Später wird es aber immer schwieriger. Gerade deshalb ist es nötig, dass wir als Lehrpersonen diesen Wert vorzuleben versuchen, indem wir beispielsweise Mülltrennung machen (Kompost, Altpapier) oder die Kinder anhalten sorgfältig mit Spielsachen und Lehrmitteln umzugehen. Ich denke das wichtigste ist, dass man als Lehrperson seine Vorbildfunktion wahr nimmt!

Katharina Enz, LG 04 E

5 Kommentare:

ann-kathrin hat gesagt…

Liebe Katharina! Ich kann dir nur dein Kompliment zurück geben: für mich sind deine Texte immer sehr echt, sorgfältig & einfühlsam! So wie du deine Grossmutter beschreibst, seh ich sie und dich als kleines Mädchen, das seine Grossmutter bewundert, gleich vor mir. Genau solche Erinnerungen an die Kindheit sind wichtig und können Vorbildcharakter haben und prägen. Ich bin einer Meinung mit dir, dass es wichtig ist, welche Werte Kinder von klein auf mitbekommen. Das ist einerseits etwas Wunderschönes an unserem zukünftigen Beruf, anderseits aber auch eine Veranwortung.

Isabelle Brülisauer hat gesagt…

Hallo Kathrina

Die Beschreibung deiner Grossmutter hat mich an meine Grosseltern erinnert. Meine Oma hat mir schon sehr oft davon erzählt, wie sie sich früher um den sorgfältigen, achtsamen Umgang mit Kleidung, und Nahrungsmittel gesorgt haben. Da hat sich bis heute tatsächlich einiges geändert!

Anonym hat gesagt…

Wow Katharina - einen Hammertext hast du da geschrieben!!! Den würde ich glatt als Salzkorn in der Appenzellerzeitung veröffentlichen :-). Ich finde ihn sehr treffend und schön formuliert und stimme mit dir in allen Punkten überein. Ich finde das Vermitteln von Haltungen und Normen auch extrem wichtig im Kindsalter. Auch in mir schlummern immer noch die Worte, welche Vater und Mutter zu mir sagten bezüglich des Abfalles auf der Strasse. Auch heute noch erinnere ich mich oft daran, wenn ich Leute sehe welche Abfälle rücksichtslos fallen lassen.
Lämmler, Maria E04

carmen hat gesagt…

Ich bin ebenfalls der Meinung, dass man früher achtsamer mit seinem Hab und Gut umgegangen ist. Teilweise musste man das auch, weil schlichtweg die Mittel für Neues fehlten. Auch ich kann mich noch daran erinnern, einige Kleidungsstücke nachgetragen zu haben. Einigen Eltern kommt das aber offensichtlich gar nicht in den Sinn. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, in welcher das flicken alter Produkte oft teurer kommt, als Neues zu kaufen. Das ist beispielsweise auch bei den Handys so. Bei meinem Handy ist der Akku kaputt. Ich musste jedoch feststellen, dass es günstiger ist, ein neues Handy anzuschaffen, anstatt einen neuen Akku zu kaufen. Diese Wegwerfmentalität finde ich bedenklich und dass dies einen negativen Einfluss auf die Kinder hat, davon bin ich ebenfalls überzeugt.
Carmen Guntli, LGC 04

rena hat gesagt…

Toller Post! Deine Sätze bringen mich zum Nachdenken und erinnern mich zugleich an meine Grossmutter. Auch sie hat den 2. Weltkrieg miterlebt. Es ist jeweils sehr eindrücklich, wenn sie davon erzählt. Sie sagt dann immer, dass sie gelernt habe, mit wenig zu leben und glücklich zu sein. Und das merkt man auch bei ihr. Sie ist sehr bescheiden und braucht wenig zum Leben. Gehen wir mal auswärts essen, ist das sehr speziell und da wird natürlich alles aufgegessen. Auch wenn es zu viel war. Ich finde, dass wir sehr viel von älteren Menschen lernen können. Gerade was das Achtsam-sein angeht.
D. Hanimann, LGD04