Montag, 7. Mai 2007

Auf den Spuren des orangenen Saftes



Die preiswerte Verfügbarkeit des brasilianischen Orangensaftkonzentrats hängt mit den niedrigen Löhnen der SaisonarbeiterInnen und den sozialen Bedingungen zusammen. Bauern unterhalten ihre Orangenplantagen auf dem Land und verdienen daran fast gar nichts. Die Pflückerinnen gewinnen bei einer täglichen Spitzenleistung von 70 Kisten (knapp 2 Tonnen Orangen) einen Tagelohn von ca. 11 Euro. Viele PflückerInnen erreichen diese Tagesleistung aber nicht und verdienen deutlich weniger. Der staatlich festgelegte monatliche Mindestlohn von 117 Euro gilt als absolut unzureichend, da die PlückerInnen oft nur ein festes Einkommen während der Erntesaison haben. Nach Angaben der Gewerkschaften müssten die SaisonarbeiterInnen mindestens 15,75 Euro am Tag verdienen, um den Lebensunterhalt einer Familie bestreiten zu können.

Der Marktwert der geernteten und direkt zu den Pressereien gelieferten Orangen macht ebenfalls nur ca. 10% des tatsächlichen Verkaufspreises des Endproduktes aus. Der grösste Kostenanteil, also rund 80%, liegt bei der industriellen Verarbeitung, beim Transport und vor allem der Vermarktung in Europa. In diesen Bereichen sind die tatsächlich anfallenden Gewinnspannen zu suchen.


Von der Entstehung der Orange bis zum reinen Orangensaft in unserem Glas stehen vielschichtige Arbeiten an und die Entlöhnung aller Arbeiten ist wie bei so manchen Importprodukten sehr ungerecht verteilt. Weiter interessante Facts sind auch, dass weltweit jährlich über 2 Mio Tonnen Orangensaftkonzentrat auf dem Weltmarkt verkauft werden. Aus einer Tonne Konzentrat, für die ca. 11'500 kg Orangen nötig sind, lassen sich 4'000 Liter Orangensaft herstellen. Der grösste Produzent ist Brasilien, gefolgt von den USA. Ihr Anteil an der weltweiten Produktion liegt bei 80%. Wir sind also auch beim Orangensafttrinken auf unsere Freunde aus dem Westen angewiesen – Wie schön, dass ich da sagen kann: „Der Orangensaft bekommt mir und meinem Magen nicht besonders gut!“

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Dein Beispiel vom Orangensaft finde ich treffend und stellvertretend für sehr viele Produkte (die wir importieren). Oftmals sind wir uns nicht bewusst, was wir da eigentlich kaufen, oder eben, dass wir durch unseren Kaufentscheid Entwicklungen unterstützen können oder nicht. Um es auf die Spitze zu treiben: wenn ich einen Orangensaft kaufe, unterstütze ich es, dass die ErnterInnen zu wenig verdienen. Es gibt Kokurrenzprodukte die eben diese faire Entlöhnung garantieren, wie beispielsweis Max Havelar. Dies schlägt sich aber auch im Preis nieder. Und schlussendlich ist es das was interessiert. Als Studentin beruhige ich mein schlechtes Gewissen, wenn ich ein billiges Produkt kaufe damit, dass ich nicht so viel Geld habe. Wenn ich mir das aber bewusst vor Augen halte, muss ich mir eingestehen, dass auch diese Ausrede fadenscheinig ist.

ann-kathrin hat gesagt…

Das Beispiel der Orange finde ich auch sehr treffend. Wir haben leider wirklich das Wissen verloren, welches Obst und Gmüse wann Saisn hat oder welchen Weg das Produkt bis zum Regal zurücklegen musste.
Die Zahlen im Artikel sind schon erschreckend. Für uns bedeutet der Kauf einer Orange, dass wir als Studenten, die ab und zu vielleicht zum Stundenlohn, der ja im Vergleich zu "richtigen Verdienenden" wirklich klein ist, arbeiten, dafür ca. einen 40igstel unseres Stundenlohns ausgeben. Die PflückerInnen aber müssten dafür einen halben Tag arbeiten! Krass!

katrein hat gesagt…

Hallo Maria. Ist doch schön wie wir so virtuell kommunizieren! Danke übrigens für dein Kommentar. Also, zurück zum Thema. Dein post spicht eines der typischen Porbleme unserer golbalisierten Welt an. Menschen aus Entwicklungs und Schwellenländer schuften für mindestlöhne, während wir für all die Esswaren nur gerade noch einen Bruchteil unseres Geldes aufwenden müssen (Verweis Vorlesung Rhyner). Oft denke ich, mir wäre es eigendlich egal etwas mehr für gute Esswaren aufzuwenden, wenn ich wüste, dass das Geld auch wirklich den Arbeitern zu Gute kommt!

corina hat gesagt…

Anhand des Beispiels der Orange, hast du sehr eindrücklich beschrieben, was alles notwendig ist, damit wir ein Glas Orangensaft trinken können. Deine aufgeführten Fakten fand ich sehr erschreckend. Sie halten klar fest, wie bei vielen anderen Importprodukten das Geld sehr einseitig und ungerecht verteilt ist. Die Pflücker arbeiten für einen Hungerlohn. Dies ist einfach unverständlich! Ich denke aber, wenn wir uns nun wieder einmal diese Fakten vor Augen geführt haben, sollten wir von nun an nur noch Max-Havellar Orangensaft kaufen. Da haben wir wenigstens die Zusicherung, dass die Orangenpflücker einen angemessenen Lohn erhalten. Wenn wir bei unserem Einkauf darauf achten, können wir mithelfen dieser Ungerechtigkeit entgegenzuwirken.